Der Noriker

Allgemeines

Der Noriker gehört zu den mittelschweren, kräftigen und ausdauernden Kaltblütern, was im Gebirge zuhause ist.

Das Zuchtgebiet umfasst die Gebirgslagen der österreichischen und deutschen Alpen, wobei das Land Österreich eindeutig DAS Land der Norikerzucht ist. Das Süddeutsche Kaltblut – in einigen Regionen Bayerns auch als “Oberländler” bekannt,  ist eine Kaltblutrasse, die aus der Rasser der Noriker herausgezüchtet wurde. Dies geschah ab dem zweiten Weltkrieg. Wenn man beide Rassen vergleicht, sieht man deren “Verwendungszweckt” sehr deutlich. Während der Süddeutsche hauptsächlich in flacherem Gelände eingesetzt wurde, ist der Noriker immer noch das kräftige Pferd für steileres und gebirgiges Gelände.

Wie sieht der Noriker aus?

Der Noriker ist ein mittelschweres, eher rechteckiges Pferd, das gut bemuskelt und kompakt besonders im Gebirge als absolut trittsicher gilt. Das Fundament ist trockener, wie manch anderen Kaltblütern. Die Farben der Noriker umfasst: Rappen, Braune und Füchse in hell und dunkel. Ganz besonders sind die Mohrenköpfe, aber auch Tigerschecken oder Plattschecken. Je nach Anpaarungen von reinem “Tigerblut” erhält man durchaus auch die sogenannten “Weißgeborenen”, weiße Noriker, bei denen man nur vereinzelt weiße Punkte erkennen kann.

Welchen Charakter bringt der Noriker mit?

Ein Noriker ist kräftig und ausdauernd und gilt im großen und ganzen als sehr gutmütige Rasse mit Top-Charakter. Dies ist ebenfalls zurückzuführen auf lange Selektion. Ein Noriker darf durchaus “Selbstdenkend” sein. Dies ist eine Eigenschaft die besonders im Bereich der Landwirtschaft und der Forstarbeit wünschenswert war und auch wieder ist. Der Noriker ist arbeitswillig, was man durchaus in einem nicht langweiligen Tempo erkennen kann. Gut zu sitzende Gänge in Verbindung mit Nervenstärke und Zuverlässigkeit machen den Noriker zu einem optimalen Freizeitpartner in allen Sparten. Die Entwicklung, dass der Noriker wieder durchaus als Arbeitspferd eingesetzt wird um damit Umwelt und Ressourcen zu schützen.

Zuchtgeschichtliches

Lange Zeit wurde der Noriker im Ursprung bei den römischen Pferden der Legion zugeschrieben. Diese These hat sich sehr lange gehalten, ist jedoch geschichtlich nicht nachweisbar.

Der Name “Noriker” hat zweifelsohne römische Ursprünge und stimmt auch mit dem Verbreitungsgebiet in geografischem Sinne Überein, wenn man die Provinz “Noricum” betrachtet. Jedoch geht die Geschichte viel weiter – bei Ausgrabungen fand man entsprechende Werkzeuge, die von einer hohen Kultur im Zeitraum von 800 und 300 v.Chr. zeugen, als die Kelten noch Einfluss auf die Ländereien hatten. Im Mittelalter galt das Norikerpferd als Säumerpferd und transportierte Waren zwischen dem Alpenvorland und den italienischen hoch florierenden Häfen quer durch die teils schwer passierbaren Alpen.

Der Noriker entspringt sehr barocken Pferden. Als das Salzburger erzbischöfliche Gestüt gegründet wurde – 1565 – wurden die Pferde mit spanischen Hengsten und dem heute leider ausgestorbenen Neapolitaner gekreuzt und veredelt. Dies hielt bis zum Jahre 1806 an und man erkennt noch heute viele derer Merkmale wie zum Beispiel die typischen Ramsköpfe, geschwungene Oberlinien und langem Mähnenhaar – diese wiederum sieht man am meisten bei den Mohrenköpfen und Rappen. Die Mohrenköpfe (bei reinen Köpfen ohne weißen Abzeichen) und Blauschimmel (mit weißem Abzeichen) beziehen ihre Bezeichnung aus der barocken italienischen “capo moro” – was man übrigens auch bei den Murgesen findet. Auch die Tigerfarbenen Pferde lassen sich bei den Norikern lange zurück verfolgen und es gibt heute noch sehr viele davon.

Ab 1903 wurde die Rasse in ein Zuchtbuch eingetragen um so die Reinzucht bis heute zu gewährleisten und zu erhalten. Dabei war und ist Salzburg bis heute das Hauptzuchtgebiet und darf laut EU-Bestimmung das Ursprungszuchtbuch führen.

Welche Hengstlinien gibt es?

Es existieren heute 5 Hengstlinien:

Vulkan-Linie: Die Vulkanlinie ist seit ihren Anfängen die zahlenmäßig stärkste Linie. Über 50 % der Noriker gehören heute der Vulkan-Linie an. Sie wurde von dem braunen Hengst 13 Vulkan 635, geboren 1887 im Pinzgau, begründet. Der Grund für diese Dominanz war, dass die Gründerhengste und ihre Nachfolger Vertreter des erwünschten schweren Wirtschaftstyps waren.

Nero-Linie: Die Nero-Linie ist die zweitgrößte Linie, die durch den Hengst 554 liz. Nero gegründet wurde. Der bekannteste unter ihnen ist der Fuchs 1378 Stoissen-Nero V/977. Der 1933 geborene Hengst entspricht auch heute noch voll den Vorstellungen der zeitgemäßen Norikerzucht. Nach Typ, Modell und Ausdruck von Kraft und Adel ist dieser Hengst in hohem Maße Leitbild für das Zuchtziel des Norikers geworden.(zit. Schöfl) Besonders sein trockener, edler ausdruckstarker Kopf entspreche dem gewünschten Kaltblutadel. Die Gründe für die starke Verbreitung der Nero-Linie sind vergleichbar mit denen der Vulkanlinie.

Diamant-Linie: Die Diamant-Linie war bis in die fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts (20.) die zweitstärkste Linie, sie wurde aber in weiterer Folge von der Nero-Linie zurückgedrängt. Der Begründer dieser Linie ist 367 Bravo 149, 1877 geboren. Der Name der Linie stammt von seinem 1903 geborenen Urenkel 216 Diamant 496. Diese Pferde sind durchwegs sehr typvolle Kaltblüter mit Temperament, Adel und mit viel Gangvermögen. Heute ist die Diamantlinie nur mit wenigen Norikern vertreten.

Schaunitz-Linie: Die Schaunitz-Linie geht auf den 1888 in Tirol geborenen Hengstes Amor zurück. Namensgeber der Linie war einer seiner beiden Söhne, 255 Schaunitz. Er wurde 1896 geboren. Pferde aus der Schaunitz-Linie waren in früheren Zeiten bekannt für ihr Temperament und ihr Gangvermögen. Ihr lebhafter Charakter dürfte auch der Grund für die problematische Situation dieser Linie in den 1980er Jahren gewesen sein, als der Fortbestand der Linie nur über drei Hengste gesichert war. In der letzten Zeit trifft vor allem der Schaunitz-Pferdetyp den Geschmack des modernen Norikerzüchters. Das lebhafte Temperament, aufgerichtete Hälse und Vorwärtsdrang in der Bewegung verhelfen diesem ehemals bedrohten Zweig zu einem neuen Höhenflug.

Elmar-Linie: Die Hengste der Elmar-Linie sind hauptsächlich tigerfarben, gegründet wurde sie durch den 1886 geborenen Hengst 80 Arnulf 55. In dieser Linie ist der barocke Einfluss am deutlichsten. Neben der Farbe tendieren typische Elmar-Pferde zum Quadratformat, leichterem Kaliber, ramsköpfigen Profilen. Der Anteil der Noriker aus der Elmar-Linie ist klein, schön gezeichnete Tiger sind sehr begehrt.

 

 

 

Quellenangaben: Wikipedia – Stand 03.06.2018